Es kommt einem so vor, als ob wir alle schon seit 10 Jahren oder mehr KI in unserem Alltag nutzen. In Wahrheit sind seit dem Release von ChatGPT & Co nur wenige Jahre vergangen. Ich habe hier eine persönliche Auswahl an KI-Tools getroffen, mit denen ich bisher die größte Berührung hatte. Natürlich gab es noch eine Vielzahl weiterer Modelle, die in diesen Zeitraum fallen. Die Auswahl sollte allerdings schon repräsentativ genug sein, um die Auswirkungen auf uns alle aufzuzeigen. Jedes der genannten KI-Tools hat definitiv seinen Platz in der KI-Historie verdient und oftmals auch spezifische Segmente der KI-Landschaft geprägt.
30.11.2022: ChatGPT läutet den Weg in die KI-Ära ein
Der 30. November 2022 war kein gewöhnlicher Mittwoch, sondern in der Rückschau ein wirklich historischer Tag, denn an diesem Tag wurde ChatGPT veröffentlicht. Das war der Moment, wo KI wirklich den Mainstream erreichte. Plötzlich konnte jeder normale Mensch KI für seine Zwecke nutzen. Die Einstiegshürde durch die einfache Chat-Oberfläche war zudem sehr niedrig. Zeitgleich war dies auch der Startpunkt für den Wettbewerb der unterschiedlichen KI-Tools. Wie in der aufgeführten Grafik dieses Beitrags erkennbar ist, wurden nämlich eine Vielzahl von weiteren KI-Anwendungen innerhalb kürzester Zeit nach ChatGPT veröffentlicht. Das Rennen um die Vorherrschaft im KI-Markt war somit eröffnet. Der First-Mover-Advantage lag aber ganz klar bei OpenAI mit ChatGPT.
Es dauert bekanntlich seine Zeit, bis solche Themen in der breiten Bevölkerung ankommen. Dies führte dazu, dass die ersten Nutzergruppen in Deutschland merkliche Vorteile in Ihrem Alltag hatten. Von gewöhnlichen Angestellten, die plötzlich sehr fleißig erschienen, was ihre textlichen Outputs anbelangte, bis zu Schülern, die plötzlich gar keine Probleme mehr mit ihren Hausaufgaben hatten. Ich persönlich habe ab Januar 2023 damit experimentiert, wie ChatGPT meine eigene Arbeit optimieren kann. Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt in vielen Unternehmen noch gar keine Richtlinien, wie und ob KI überhaupt genutzt werden darf. Daher haben die meisten Nutzer meist im privaten Umfeld die Möglichkeiten von ChatGPT ausgelotet.
Mittlerweile hat sich dies natürlich massiv geändert. Der 30. November 2022 ist längst Teil der KI-Historie. Dieser Tag hatte in der Rückschau also massive Auswirkungen auf das Arbeitsleben, auf Schulen und Universitäten. Es braucht neue Lernformen für Schüler und Studenten und für Unternehmen einen klaren Rahmen, wie KI gewinnbringend eingesetzt werden kann.
07.12.2022: Perplexity – KI-Recherche mit Quellenangaben
Viele der frühen Nutzerinnen und Nutzer werden sich noch daran erinnern können, dass man in ChatGPT schnell eine Schwäche bemerkte: Es fehlte an aktuellen Daten, die über das reine Trainingswissen hinausgingen. Des Weiteren bot ChatGPT zu Beginn auch keine Quellenangaben. Genau hier kommt Perplexity ins Spiel. Es wurde nur einige Tage nach ChatGPT veröffentlicht und erfreute sich auch in kurzer Zeit großer Beliebtheit.
Die Verknüpfung von KI-Antworten mit Quellenangaben brachte Recherche-Tätigkeiten auf ein neues Level. Hierbei erkannte man sofort die Vorzüge zur klassischen Google-Suche, da es viel effizienter war. Wieso sollte ich noch mühsam jeden einzelnen Link aufrufen, wenn mir Perplexity innerhalb von Sekunden eine super Übersicht über relevante Quellen geben kann? Perplexity glich die anfängliche Schwäche von ChatGPT wunderbar aus. Ich habe daher gerne beide Tools zusammen eingesetzt. Die Recherche mit Perplexity, die eigentliche Verfassung der Texte dann mit ChatGPT. Das Vertrauen in den Output war ungleich höher, da die Informationen auf realen und überprüfbaren Quellen beruhten.
Dadurch zeigte Perplexity auch auf, in welche Richtung künftige KI-Tools gehen sollten. Der Prozess hinter der KI muss möglichst transparent, faktenbasiert und überprüfbar sein. Natürlich weiß man im Detail nicht wie genau die KI gerade für einen arbeitet, aber durch die Quellenangaben gewinnt man immerhin eine gewisse Sicherheit durch Überprüfbarkeit zurück. Perplexity hat damit definitiv seinen Platz in einer Aufzählung der KI Meilensteine verdient.
05.11.2023 Release von Grok von xAI – der Einstieg von Elon Musk in das KI-Rennen
In einem Beitrag zur KI-Historie darf ein Elon Musk natürlich auch nicht fehlen. Am 5. November 2023, knapp ein Jahr nach dem Release von ChatGPT und Perplexity, veröffentlichte sein Unternehmen xAI das KI-Tool Grok. Es zeichnete sich durch seine Verknüpfung zu Live-Daten von X (ehemals Twitter) aus und lieferte somit auch tagesaktuelle Antworten.
Des Weiteren gilt es als humorvoller, deutlich provokativer und kommt einem menschlichen Stil näher, da andere KI-Tools durch ihre Filter zum Teil sehr konturlos erscheinen. Grok positionierte sich somit bewusst als Gegenpol zu anderen KI-Modellen. Durch die Anbindung an Echtzeitdaten basierten viele Antworten auf aktuellen Trends und Memes. Grok hat also seinen ganz eigenen Charme. Gerade wenn man schon sehr viel mit ChatGPT gearbeitet hat, weiß man einen direkten Stil a la Grok auch mal zu schätzen, da es deutlich weniger restriktiv ist.
Es war ein Stück weit auch der Startschuss für Echtzeit-Integrationen von KI-Assistenten. Der Wettbewerb um Datenzugriffe auf Social Media Inhalte wurde insgesamt intensiviert. Grok zeigte auch, dass Persönlichkeit und Stil für die Bindung der Nutzer an das Sprachmodell sehr wichtig sind. Ich persönlich nutze Grok nur sporadisch und auch ausschließlich privat, wenn ich einmal Abwechslung zum sprachlichen Stil von ChatGPT brauche.
06.12.2023: Gemini (vormals Bard) – Google zieht nach
Über ein Jahr ist bereits seit dem Release von ChatGPT vergangen – in Zeiten von KI-Tools eine Ewigkeit – und erst jetzt betritt der Platzhirsch überhaupt die Bühne und zwar Google. Nicht umsonst rief Google laut Berichten intern den Code Red durch Bedrohung von ChatGPT aus. Zunächst gab Google seinem Modell noch den Namen Bard, änderte ihn aber im zeitlichen Verlauf auf Gemini. Allein der Fakt, dass Google nicht selbst das KI-Zeitalter für den Massenmarkt einläutete, sondern OpenAI, ist ein bemerkenswerter Punkt, der in die KI-Historie eingegangen ist.
Was Gemini auszeichnet ist eine starke Integration von Text, Bildern und Video in einem Modell. Und nicht zu vergessen hat Google über Jahrzehnte enorm umfangreiche Daten gesammelt und natürlich auch die entsprechenden Ressourcen, die KI-Entwicklung maßgeblich mitzuprägen. Obwohl der Release verspätet erscheint und zu Beginn auch gewisse Schwierigkeiten auftraten, forschte Google intern schon seit Jahren an entsprechenden Sprachmodellen. Man sollte Google mit Gemini also definitiv nicht abschreiben.
Alleine durch die umfangreichen Workspace-Dienste, in die Google nach und nach weitere KI-Funktionen integriert, werden Millionen von Menschen tagtäglich in ihrem Arbeitsalltag geprägt. Auch wenn der Markteinstieg etwas holprig verlief, hat Google durch die Einführung von KI-Zusammenfassungen (AI Overviews) und dem AI Mode ganz maßgeblich das Suchverhalten von Menschen weltweit verändert. Die Rolle von Google in der Geschichte der künstlichen Intelligenz kann daher kaum überschätzt werden.
20.01.2025: DeepSeek – ein KI-Gamechanger in der KI Historie
Wer in dieser Aufzählung definitiv nicht fehlen darf ist DeepSeek aus China. Für viele Menschen kam dieses Tool buchstäblich aus dem Nichts und überzeugte durch sehr hohe Leistungswerte und relativ dazu gesehen, enorm günstige Entwicklungskosten. DeepSeek führte international zu einer wahren Schockwelle, dass ein derart starkes Tool mit dem geringen Ressourcen-Einsatz möglich war. Allein dadurch hat sich DeepSeek einen Platz in der KI-Historie verdient.
Durch DeepSeek wurden hochwertige KI-Modelle noch leichter zugänglich. Es stärkte auch den Open-Source-Ansatz und konnte dezentral verwendet werden. Des Weiteren hat China durch DeepSeek auch die Bühne dieser KI-Entwicklungen betreten, während dieser Wettbewerb vorher maßgeblich durch US-Firmen ausgetragen wurde. Der KI-Wettbewerb wurde somit deutlich globaler und setzte seine US-Pendants gerade aufgrund der Kosteneffizienz merklich unter Druck. Ich persönlich habe DeepSeek einige Male ausprobiert über Perplexity, da man dort auch auf entsprechende LLMs wechseln konnte. Den Weg in meinen persönlichen Arbeitsalltag hat es allerdings nicht gefunden.
Mein Fazit zur historischen Entwicklung der künstlichen Intelligenz
Es ist einfach nur atemberaubend, wie stark sich der Alltag von Milliarden Menschen durch KI bisher verändert hat. Ein Ende ist vorerst nicht in Sicht, auch wenn die Rufe nach einer KI-Bubble immer lauter werden. Des Weiteren kommen auch immer mehr die Schattenseiten der generativen KI zum Vorschein. Das Thema AI-Slop ist bereits in aller Munde, also KI-Inhalte mit geringem Mehrwert, die massenhaft publiziert werden. Es bleibt daher spannend zu sehen, in welche Richtung die Menschheit durch diese KI-Entwicklungen steuert.
Ich persönlich vermute, dass am Ende einige wenige Player das Rennen machen werden. Sehr wahrscheinlich wird Google einer von ihnen sein, da hier einfach Know-How und vorhandene Ressourcen zusammenkommen. Wie DeepSeek allerdings gezeigt hat, bietet der KI-Markt auch immer noch Raum für Überraschungen. Für uns als Agentur ist die weitere Entwicklung von Google maßgebend, da Google nach wie vor die globale Suche dominiert. Eines der spannendesten Themen ist daher der Google AI Mode. In der nachfolgenden Grafik habe ich alle Meilensteine noch einmal übersichtlich zusammengefasst.
